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Donnerstag, November 24, 2005

870.000 Österreicher haben Alkohol-Probleme.

Österreichische Präventionstagung in Wien: Grenzen
zwischen Alkohol-Genuss, -Missbrauch und -Abhängigkeit
oft fließend

870.000 Österreicher haben Alkoholprobleme.
Insgesamt 330.000 - und damit fünf Prozent der
Bevölkerung - sind als alkoholabhängig einzustufen.
Diese Zahlen gab Univ.-Prof. Prim. Dr. Michael
Michalek, Leiter des Anton Proksch-Instituts, am
Donnerstag zur Eröffnung der 7. Österreichischen
Präventionstagung in Wien bekannt. Gleichzeitig warnte
das Fonds Gesundes Österreich vor den "oft fließenden
Grenzen" zwischen Alkohol-Genuss, -Missbrauch und
-Abhängigkeit.

Was aber häufig unterschätzt werde: Krügel, Achtel &
Co. sind nicht nur die größte Volksdroge neben Tabak,
sondern auch eine regelrechte Todesdroge. Die
Lebenserwartung von Alkoholabhängigen ist laut Fonds
Gesundes Österreich gegenüber der
Durchschnittsbevölkerung um 20 Jahre reduziert.
Alkohol löse weiters weltweit ein ähnliches Maß an
Todesfällen oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen
aus wie Tabak oder Bluthochdruck und werde mit 60
Krankheiten in einen direkten Zusammenhang gebracht,
darunter Brustkrebs und koronare Herzerkrankungen.

"Von allen Patienten, die in ein Allgemeines
Krankenhaus eingewiesen werden, weisen etwa 29 Prozent
der Männer und neun Prozent der Frauen eine
alkoholassoziierte Erkrankung innerer Organe auf",
sagte Prof. Dr. Manfred Singer, Leiter der II.
Medizinischen Universitätsklinik in Mannheim, am
Donnerstag.

Negative Auswirkungen

Die angebliche gesundheitsfördernde Wirkung von
Alkohol müsse man als Mythos betrachten, warnten
zahlreiche der Experten in Wien. Eine moderate Dosis
könne zwar allenfalls gut für die Kardioprotektion
sein, habe aber zugleich negative Auswirkungen auf
andere Organe, gab Singer zu bedenken: "Fest steht,
Alkohol ist viel schädlicher als früher angenommen."
Das Trinken von Alkohol sei selbst in moderaten Mengen
mit einem Gesundheitsrisiko verbunden.

Die effizienteste Methode der Alkohol-Prävention ist
laut dem Suchtforscher Prof. Dr. Jürgen Rehm eine
Preis- bzw. Steuererhöhung. In einer im Fachjournal
"Lancet" veröffentlichten Studie rechnete der Forscher
gemeinsam mit Kollegen aus Schweden und Kanada vor,
dass eine zehnprozentige Verteuerung der britischen
Alkoholpreise die Sterblichkeit auf Grund von Zirrhose
bei Männern um sieben und bei Frauen um 8,3 Prozent
senken würde. (APA)
aus dem Standard von heute