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Freitag, Dezember 16, 2005

Himmel und Hölle


Ein alter Mönch saß am Straßenrand. Mit geschlossenen Augen, überkreuzten Beinen und gefalteten Händen saß er in tiefer Meditation.

Plötzlich wurde seine Meditation durch die harte und durchdringende Stimme eines Samurai Kriegers gestört. „Alter Mann! Lehre mich über Himmel und Hölle!“

Zuerst, so als ob er nichts gehört hätte, war keine Reaktion des Mönchen zu erkennen. Langsam aber öffnete er seine Augen, und die Spur eines Lächelns spielte um seine Lippen, während der Samurai dastand, ungeduldig wartend und mit jeder vorbeistreichenden Sekunde nervöser werdend.

„Du möchtest das Geheimnis von Himmel und Hölle erkunden?“, antwortete der Mönch endlich. „Du bis ein ungewascher Lump. Deine Hände und Füße sind schmutzig. Dein Haar ist ungekämmt; dein Atem stinkt; dein Schwert ist rostig und vernachlässigt. Du bist hässlich und lächerlich gekleidet. Und ausgerechtet Du willst von mir über Himmel und Hölle Bescheid wissen?“

Der Samurai stieß einen bösen Fluch aus. Dann zog er sein Schwert und hob es hoch über seinen Kopf. Sein Gesicht lief rot an, und die Venen an seinem Hals begannen herauszutreten, während er sich darauf vorbereitete, den Kopf des Mönches von seinem Rumpf zu trennen.

„Das ist die Hölle.“ sagte der alte Mönch sanft, gerade, als sich das Schwert auf ihn zu senken begann.

In diesem Augenblick wurde der Samurai von Erstaunen und Ehrfurcht überwältigt und von Liebe und Barmherzigkeit für das sanfte Wesen erfüllt, das sein Leben riskiert hatte, um ihm eine Lehre zu erteilen. Er hielt inne und seine Augen erfüllten sich mit dankbaren Tränen.

"Und das," sagte der Mönch, "ist der Himmel.“