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Dienstag, 06. November 2007

Sufismus



Heuer feiern die Sufis den 800 jährigen Geburtstag von Rumi (Mevlana), der in Balkh (Stadt in Afghanistan- damals Persien) geboren wurde und laut Sri Matajai eine realisierte Seele ist. In den USA erobern Rumis Gedichte der universellen Liebe die Herzen von tausenden Amerikanern.

Über Jahrhunderte hinweg haben traditionelle Sufis in islamischen Ländern ihre Lehre in einen engen Zusammenhang mit den islamischen Traditionen gebracht.
Der Sufismus hat sich vor allem ab dem Auftreten des Propheten Mohammed zu seiner vollen Blüten entfaltet.


Etymologisch ist unklar, ob das Wort Sufi von arabisch sufà “Schurwolle“, das auf wollene Gewänder hinweist, oder von safaà “rein“, stammt. „Rein“ meint in diesem Zusammenhang gereinigt von Unkenntnis bzw. Unweisheit, Aberglaube, Egoismus und Fanatismus, so wie frei von Beschränkungen durch die soziale Schicht, politische Überzeugung, Rasse oder Nation.

Der Weg des Sufis folgt vier Stufen, die auf die Prägung aus dem indischen Raum verweisen:
Stufe: Auslöschen der sinnlichen Wahrnehmung
Stufe: Aufgabe des Verhaftetseins an individuelle Eigenschaften
Stufe: Sterben des Egos
Stufe: Auflösung in das göttliche Prinzip

Das oberste Ziel der Sufis ist, Gott so nahe zu kommen wie möglich und dabei die eigenen Wünsche zurrückzulassen. Dabei wird Gott bzw. die „Wahrheit“ als der „Geliebte“ erfahren. Der Kern des Sufismus ist demnach die innere Beziehung zwischen dem „Liebenden“ (Sufi) und dem „Geliebten“ (Gott).
Durch die Liebe wird der Sufi zu Gott geführt, wobei der Suchende danach strebt, die Wahrheit schon in diesem Leben zu erfahren, und nicht erst auf das Jenseits zu warten.

Das spiegelt sich klar im Prinzip „zu sterben bevor man stirbt“ wider, das überall im Sufismus verfolgt wird.

Hierzu suchen die Sufis, die Triebe der niederen Seele bzw. des tyrannischen Egos so zu bekämpfen, dass sie in positive Eigenschaften umgeformt werden
Auf diese Weise kann man einzelne Stationen durchlaufen, deren höchste die „reine Seele“ ist:
Scharia (islamische Gesetz)
Tariqua (der mystische Weg)
Haqiqa (Wahrheit)
Marifa (Erkenntnis)

Die Sufis sehen diese Stationen auch als „Türen“ auf dem Weg zu Gott, wobei man aber erst eine Tür durchschritten haben muss, bevor man daran arbeiten kann, die nächste in Angriff zu nehmen.

Im Sufismus wird oft das Symbol der Rose gebraucht. Diese stellt die oben genannten Stufen auf dem Weg eines Derwischs folgenderweise dar: Die Dornen stehen für die Schari'a, das islamische Gesetz, der Stängel ist Tariqa, der Weg. Die Blüte gilt als Symbol für Haqiqa, der Wahrheit, die schließlich den Duft, Ma'rifa, die Erkenntnis, in sich trägt.

Hierbei lässt sich folgende Sichtweise der Sufis erkennen: Die Dornen schützen den Stängel, ohne sie könnte die Rose leicht von Tieren angegriffen werden. Ohne den Stängel haben die Dornen alleine aber auch keinerlei Bedeutung; man sieht hier also deutlich, dass die Sufis Schari'a und Tariqa unbedingt als zusammengehörig betrachten. Der Stängel ohne Blüte wäre nutzlos, und auch eine Blüte ohne Duft hätte keinen Zweck. Der Duft alleine ohne die Rose hätte aber ebenfalls keine Möglichkeit zu existieren.

Der Mittelpunkt der sufischen Lehre ist die Liebe, die immer im Sinne von Hinwendung zu Gott zu verstehen ist.
Jesus von Nazaret wird im Islam als der Prophet der Liebe gesehen. Deshalb wird er oft auch als der Prophet der Sufis bezeichnet.
Einwichtige Bestandteil des Sufismus sind die Lehrgeschichten, die immer wieder erzählt werden. Es handelt sich oft um scheinbar einfache Geschichten, deren tiefere Bedeutung für den Derwisch (=Sufi) sehr fein und tiefgründig sein können. Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Sufismus sind die Lieder, in denen die Namen Gottes rezitiert werden, oder die Liebe zu Gott bzw. zum Propheten Mohammed besungen werden.

Einer der bemerkenswerten Sufis und Dichter war Fariduddin Attar. (geb. 1136, gest.: 1221)
Bevor er zum Sufismus findet, ist er Besitzer einer Drogerie, daher sein Rufname Attar (=“der Drogist“). Eine ergänzende Deutung seines Namen ist, dass er als Arzt tätig war.
Eines der berühmten seiner 114 Werke ist das Mantiq uttair („die Vogelgespräche“).
Dieses Epos berichtet von 30 Vögeln, die eine Reise durch 7 Tälern zum Vogelkönig, dem Simurgh, unternehmen. Letztendlich erkennen die Vögel im König ihre eigene Identität.

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